Zuwanderer sollen nicht mehr “geduldet” bleiben
19. Februar 2012 | Von H. DEPE TCHATCHU | Kategorie: PolitikDas Ziel ist klar: Zuwanderer sollen "nicht mehr als geduldete Gäste auf Zeit wahrgenommen werden, sondern als Hessen", wie es Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) formulierte. Im Wiesbadener Landesmuseum zogen er und zahlreiche Kommunalpolitiker aus allen Teilen Hessens am Donnerstag eine erste Bilanz der 2009 eingeführten Modellregionen, in denen die Eingliederung von Migranten auf neuen Wegen vorangetrieben werden soll. Die insgesamt sechs teilnehmenden Städte und Landkreise hätten vorbildliche Arbeit geleistet, lobte Hahn. Von den anwesenden Vertreter der Kommunen widersprach niemand.
Der Hochtaunus- und der Main-Kinzig-Kreis sowie die Städte Wiesbaden, Kassel, Offenbach und Wetzlar waren aus einer Vielzahl von Interessenten für das Programm ausgewählt worden. Es läuft bis 2013 und wird vom Land mit jährlich 1,22 Millionen Euro gefördert. Umgesetzt wird es in den einzelnen Modellregionen recht unterschiedlich.
So unterstützen in Maintal im Main-Kinzig-Kreis Integrationsbeauftragte den Zugang von Menschen mit Migrationshintergrund in traditionelle Vereine. Ähnlich wurde in Kassel eine Kooperation zwischen Sportamt und Organisationen der Zuwanderer in Gang gesetzt. Im Hochtaunuskreis wiederum werden die Mitarbeiter von Verwaltungen, Pflegeeinrichtungen und Vereinen in ihrer interkulturellen Kompetenz geschult.
Der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) brachte es auf den Punkt. Integration ist eine Aufgabe, die in allen Köpfen der Stadtverwaltung verankert sein müsse. "Wenn Sie keinen Vorgesetzten haben, der einen offenen Kopf dafür hat, Migranten zu beschäftigen, dann werden Sie keine Migranten in der Stadtverwaltung haben." Dabei gab Minister Hahn auch für das Land als Ziel aus, den Anteil der Bediensteten mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Dazu gebe es große Anstrengungen bei der Polizei und in der allgemeinen Verwaltung, sagte der FDP-Politiker. Hahn wies darauf hin, dass heute fast jedes zweite Kind in Hessen unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund habe.
"Wir wollen Zugehörigkeit schaffen. Menschen aus allen Kulturkreisen sollen sich in Hessen zu Hause fühlen, sie sollen hier gerne leben, arbeiten, zu gemeinsamen Wohlstand beitragen", betonte Hahn. Gerade für ein so weltoffenes und wirtschaftsstarkes Land wie Hessen sei dies sogar ein wesentlicher Standortvorteil. Zum Leitspruch der Landesregierung Vielfalt leben und gestalten" gehöre auch, das sich die Aufnahmegesellschaft bewege. Umgekehrt müssten die Zuwanderer aber die hiesige Rechtsordnung beachten. "Wer hier lebt, kann alle Freiheiten des Grundgesetzes in Anspruch nehmen, er kann auch gemäß seiner Religion leben, aber er muss auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau anerkennen", rief Hahn aus.
Der Wiesbadener OB Müller erwähnte noch das Sprachproblem als vielfach fortbestehende Hürde. "Die intelligentesten Kinder können ihre Intelligenz nicht unter Beweis stellen, wenn sie Sprachprobleme haben." Um dem in einem anderen Punkt abzuhelfen, hat Offenbach das Projekt Kind-Schule-Eltern ins Leben gerufen. Dort werden Lehrer zu Elternbeauftragten speziell für Migranten qualifiziert, die ansonsten ja bei Elternabend eher unterrepräsentiert sind.
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